Archive für April 2007

Fuenfter Tag

Zwischen Asr- und Isha-Gebet (beide von Sheikh Effendi geleitet) hatte ich etwas Zeit und beschloss mir mal zur Abwechslung einen Döner im Dorf zu holen. Ich kann nur jedem davon abraten! Nicht nur, dass mir beim Warten eine türkisches-Fernsehen-Gehirnwaesche verpasst und ein total überteuerter Preis berechnet wurde, beim anschliessenden Verspeisen kam absoluter Trübsinn auf: Ich vermisste die Brüder! Deren traute Anwesenheit war mir (wie das gemeinsame Gebet) in den wenigen Tagen schon dermassen in Fleisch und Blut übergegangen, dass ich mir kaum vorstellen kann, in Deutschland wieder alles alleine machen zu müssen…

Vierter Tag - Juma

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Gestern Abend durften wir an einem leisen und innigen Dhikr teilnehmen, danach brachte eine Hadra alle ins Schwitzen. Ziemlich aufgedreht fuhren wir nach Hause und konnten erst nach einiger Zeit schlafen gehen.

Heute war ein ruhiger Tag, alles bereitete sich auf das Juma vor. Die letzten Telefonbuchdosen wurden in die Wand geschraubt, die letzten Baeume umgepflanzt, dann ging es um ein Uhr los. Es war ein schoenes Erlebnis die Brueder alle in ihren Sonntagskleidern und -Turbanen zu sehen, manche kommen ja die ganze Woche nicht aus ihren Arbeitsklamotten raus. Sheikh Effendi bestieg die neue, 4m hohe Minbar in seiner Moschee, und hielt den ersten Teil der Hudba auf Tuerkisch. Auf Englisch erinnerte er uns an die vielen, vielen Menschen, die nur im Feuer leben, da sie ihren Egos folgen und trotzdem nie das bekommen, was sie haben wollen. Lediglich die kleine Gruppe der Gottesfuerchtigen, die staendig im Gedenken an ihren Herrn leben, ist geschuetzt. Fragt euren Herrn danach, was Ihr tun müsst, damit Er mit euch glücklich ist.

Im Anschluss setzte sich Sheikh Effendi in seinen Sessel und wir durften ihm Respekt erweisen. Als alle schon dachten, dass es das nun gewesen waere, forderte er uns zu einer weiteren Hadra auf. In Nullkommanix waren die Trommeln gestimmt, die Somalis huben an zu singen, ein Kreis wurde gebildet und los ging es! Diesmal durfte uns Sheikh Hassan anfeuern und die Stimmung kochte: Es machte mal wieder super viel Spass…

Dritter Tag

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Gestern war endlich Hadra, nach dem Nachgebet sprang Memmo, der Enkel von Sheikh Effendi in die Mitte und skandierte: Aufstehen, Aufstehen! Es bildete sich ein grosser Kreis aus 40 oder 50 Brüdern, sie hakten sich an den Haenden unter und wippten vor und zurück zu den Gesaengen unseres zentralasiatischen Hodschas Abdur Rahman. Nachzügler bildeten einen zweiten und dritten Kreis. Einzelne Brüder wurden von Sheikh Effendi ermuntert, als Anfeuerer in den innersten Kreis zu gehen und machten ihre Sache hervorragend. In kurzer Zeit wurden unsere steifen Knochen durchwaermt und angeheizt und die Stimmung stieg. Nach einiger Zeit schritt der Sheikh selber, gehalten von zwei Brüdern in die Mitte und dirigierte die Truppe. Er strahlte vor Vergnügen und die Begeisterung kannte kein Ende. Als er nach einigen Minuten wieder in die Mitte kommt, bildet sich schnell ein enger, verrückt-drehender Menschenkreisel um ihn, mir wird Angst und Bange.

Nach dem heutigen Mittagsgebet wiederholen die Somalies (hier tut sich besonders ein aelterer Blinder hervor) ihre Gesaenge von gestern und Sheikh Effendi antwortet mit einem lieblichen Gesang “für Türken, Araber und Perser”. Wir alle sind ganz erstarrt und gebannt von der zerbrechlichen Schönheit seiner Stimme.

Sheikh Hassan aus Deutschland ist gerade eingetroffen und ich bin für einen Moment ratlos, welcher der beiden Sonnen ich mich denn nun zuwenden soll.

Zweiter Tag

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Es ist gar nicht so einfach, hier im türkischen Teil ein Internetcafe zu finden, das sowohl freie Plaetze hat als auch eıine halbwegs vernünftige Internetverbindung aufweist. Die Plaetze sind entweder von jungen Maennern belegt, die mit Headphone und Webcam herumchatten oder von Halbwüchsigen, die Autorennen oder Egoshooter spielen. Wenn man dann einen Platz bekommt, stürzt die Verbindung nach spaetestens 5 Minuten ab. Heute habe ich also Glück!

Montag war keine Hadra und auch gestern nicht. Sheikh Effendi war auch gar nicht beim Nachtgebet anwesend. Unsere Hoffnungen ruhen also auf dem morgigen Donnerstag - Dikhr und Hadra. Dafür haben wir Hajji Annes Grab besucht, ein englischer Bruder (siehe Bild) haelt dort zur Zeit Tag und Nacht Wache und pflegt die Anlage, giesst die Blumen, etc. Allah möge ihn dafür belohnen. Es ist ein sehr segensreicher und friedlicher Platz, der alte Friedhof liegt direkt am Ortseingang von Lefke.

Apropos “Moon”: Beim Frühstück gab es eine dementsprechende Unterweisung einer befreundeten Schwester aus Lefke, die die Dinge wieder aufs Wunderbarste zurechtrückte…

Erster Tag

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Gestern gab es leider keine Hadra, dıe Brüder hatten ganz begeistert davon erzaehlt. Stattdessen galt es, eine Waschmaschine zu reparieren und den Moscheeneubau zu bewundern: Dıe alte Moschee links neben Sheikh Effendis Haus, dıe bestimmt schon 10-15 Jahre alt ist, hat ein zweites Stockwerk bekommen und eine schöne Holzvertaefelung im Innenraum. Die Maenner können nun unten und oben (wo die Frauen normalerweıse beten und die Maenner unter ihnen beobachten) schlafen. Trotzdem war es Ostern wohl so voll, dass welche draussen auf der Strasse geschlafen haben - wie mir glaubhaft versichert wurde.

Auf einem Spaziergang durchs Dorf konnten wir Restaurierungsarbeiten an der alten Dorfmauer beobachten und die Landschaft geniessen - überall schwebte ein Hauch von Orangenduft durch die Luft und wenn man Glück hatte auch Jasmin.

Heute stellte ich mich nach dem Mittagsgebet vor Sheikh Effendi, begrüsste ihn und überbrachte ihm die Grüsse der deutschen Brüder. Er freute sich und fragte mich, wo ich denn wohl herkommen würde: “Coming from moon?” Oops, jetzt habe ich was zu knacken für die restliche Woche…

Ankunft

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Die Ankunft auf Zypern ist ımmer eın bisschen wie nach Hause zu kommen. Alleine schon die Orte, durch die man kommt: Zümrütkoy, Aydinkoy, … Dann biegt man auf das Meer zu, strahlend blau liegt es vor einem. Die alten Stahlrohrgerüste stehen noch. In Gemikonagi geht es links hoch nach Lefke. Immer scheint noch eine Kurve dazuzukommen, bis man nach Lefke reinfaehrt. Meine Ungeduld waechst. Jetzt zieht es einen zum Haus von Sheikh Effendi, zur Moschee. Und tatsaechlich: Ich komme gerade pünktlich zum Mittagsgebet - al-hamdulillah.

Sheikh Effendi ıst nicht zu sehen. Ist er überhaupt da? Die angespannte, seelenvolle Stille scheint darauf hinzudeuten. Und da sitzt er in seinem Stuhl, direkt vor dem Fenster. Ich schaffe es noch ihm beim Hinausgehen dıe Hand zu küssen, aber er scheint mich nicht zu erkennen - das kommt spaeter, wıe ich mittlerweile weiss.

Es herscht eıne ganz wunderbare Stimmung, ich begrüsse die mir bekannten Gesichter rechts und links - alle sind so relaxt und gelöst und strahlen um die Wette. Oder bin ich das?

Meinungsstark, aber ahnungslos

Immer mehr Menschen in Deutschland treten zum Islam über. Diese Botschaft verbreiteten viele große Medien in den vergangenen Wochen und gingen dem Phänomen mit Berichten über bekehrte Neumuslime nach. Rund 4000 Konversionen habe es – »trotz des islamistischen Terrors« – binnen eines Jahres gegeben, Den Rest des Eintrags lesen »