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Baha’uddin Walad: Die Stadt der Fröhlichkeit

Dieser Eintrag stammt von Omar aus Münster Am 3.5.2007 @ 17:30 In Sufis | 1 Kommentar

Baha’uddin Walad, der Vater von Jalaluddin Rumi, hat mit seinem Ma’arif ein ganz eigentümliches Werk geschrieben, wie [1] Hellmut Ritter (mit Rückgriff auf den Autor Furuzanfar) in der Zeitschrift Oriens beschreibt:

… er bewundert, wie der verfasser aus kleinen anlässen und erlebnissen, bis in zahnschmerz und kopfschmerz hinein, überraschende religiöse ideen entwickelt, und hebt den grossen reichtum an originellen gleichnissen und metafern hervor, der sich in dieser fülle kaum in irgend einem anderen religiösem werk finde. Mit recht macht er auch darauf aufmerksam, dass von dem traditionellen gedankengut der sufis, den Maqamat und ahwal usw. sehr selten in diesem werk die rede ist. Dafür gibt es höchst interessante und merkwürdige schilderungen seelischer erlebnisse, die manchmal fast wie eine art geistliches tagebuch anmuten. Die eigentümliche frömmigkeit des fröhlichen herzens, die dabei zum ausdruck kommt, wäre eines besonderen studiums wert.

Ritter übersetzt auch einen Abschnitt aus den Ma’arif:

Führe uns die gerade strasse! (Sure 116). Ich sprach: Gott, führe mit Deiner güteerweisung alle meine glieder in die stadt der froehlichkeit (xwasi) und ruhe (behaglichkeit : rahat) und oeffne für jedes meiner glieder tausend tore der froehlichkeit! Der gerade weg ist der, welcher in die stadt der froehlichkeit führt, der schiefe der, welcher nicht in die stadt der froehlichkeit führt. Ich sah, als ob Gott den reiz (maza) aller schoenen mir und meinen gliedern angepasst haette, so als ob all meine glieder den gliedern jener eingemischt seien und niilch aus jedem meiner glieder stroemte. Und alle form, die geformt wird an schoenheit und vollkommenheit, und der reiz und die liebe und die froehlichkeit, sie kommen gleichsam alle aus der person (dat) Gottes in den sechs richtungen mein[er person] zum vorschein; so wie jemand ein wasserfarbiges (blaues: abguni) kleid hat, auf welchem kleide vielfarbige muster und mannigfache, verschiedene figuren sind; so zeigt Gott von sich hunderttausend formen in mir, [die entstehen] aus dern fühlen und empfinden für ihn (az hiss va daryaft-i o) , und die formen der anmutigen und schoenen und die liebe zu ihnen und ihre wohlgestalt und die intelligiblen formen und die paradiesesjungfrauen und die schloesser und das fliessende Wasser und andere unendliche wunder. Ich betrachte und schaue diese formen [und sehe], wieviel geschmückte schoenheit in mir sich zeigt; und jede gestalt, die ich will, zeigt Er mir, und ich sehe, dass diese alle aus meinen gliedern zum vorschein kommen. Und ich sah, wie Gott hunderttausend basilikumkraeuter und rosen und rosengaerten und gelben und weissen jasmin hervorgebracht und meine glieder zum blumengarten gemacht hat. Dann hat Gott diese alle gepresst und zu rosenwasser gemacht und hat aus ihrem schoenen duft die jungfrauen des paradieses geschaffen und meine glieder mit ihnen vermischt (dar sirist). Nun sah ich genau (haqiqat) hin [und sah], dass alle schoenen formen die form der frucht Gottes sind. Jetzt kommen alle diese annehmlichkeiten (rahatha) von Gott zu mir in dieser welt. Wenn man sagt: Du siehst Gott? oder: Du siehst Gott nicht!, so sage ich: Ich sehe Ihn nicht aus eigener kraft; denn es heisst: “Du wirst Mich nicht sehen” (Sure 7/143), aber wenn Er Sich zeigt, wie soll ich es (dann) anstellen, Ihn nicht zu sehen?”
ORIENS 8(2):359-361 (1955)


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