Archiv der Kategorie Lefke Live

Abfahrt

Die Abfahrt verläuft umgekehrt zur Ankunft. Koffer packen, Auto besteigen, man läßt Lefke hinter sich, fährt schnurgerade auf die Hauptstrasse in Gemikonagi zu … Doch halt: Ist nicht alles wie verwandelt!? Das kurze Stück Meer in Gemikonagi, auf das man zufährt, leuchtet windstill und verheissungsvoll wie ein Stück vom Paradies, die Berge des Pentadaktylos leuchten im Morgennebel voll Liebe, der Wagen rollt sanft und sicher auf Engelsschwingen, das Herz ist ruhig und heiter (auch wenn man genau weiß, dass später der Wind wieder auffrischen und es in Unruhe versetzen wird…), statt Ungeduld ist grenzenlose Geduld angesagt. Und jetzt erst fällt mir auf, dass am Anfang und Ende dieses Weges ja zwei heilige Frauen stehen - Hajji Anne in Lefke und Hala Sultan in Larnaca (möge Allah mit ihnen zufrieden sein und ihr Andenken heiligen).

Was habe ich in dieser kurzen Woche noch erlebt/gelernt?
Ich habe dank der guten Versorgung (abgesehen vom Döner :-) ) bestimmt zwei Kilo zugenommen, worüber mich aber das Sheikh(?)-Wort “Ein Mann ohne Bauch ist wie ein Haus ohne Möbel” hinwegtröstete. Noch ein türk. Spruch (von Sawasch): “Sei heilig wie Wasser.” hm, okeee… Und hier der dritte Spruch (aus dem Hagakure), der mir ab und an half: “Matters of great concern should be treated lightly. - Matters of small concern should be treated seriously…” (MP3)

Ach ja, und dann die obligatorische Frage am Abend des Abreisetags: “Who is going to die?” (Abdullah meldet sich vorlaut: “Ich! Ich!”) … ähem, es hieß wohl: “Who is going today?” ;-) Wie auch immer - wir kommen wieder! Insha’llah ganz bestimmt …

Lefkoşa

Als ich vor der Selimiye-Moschee stehe, kommt mir eine “nette” Erinnerung an die guten alten Tage hoch, als alle Gaeste spaet abends mit Sheikh Effendi in dem kleinen Raum dinierten, der heute zwischen Sheikh-Haus und Moschee liegt:
Nach dem Juma in Lefkoşa hatte Jamaluddin auf Geheiss des Sheikhs etwas “Besonderes” aus einem Süssigkeitenladen direkt neben der Moschee mitgebracht, das dem hohen Besuch nach dem überreichen Mahl als krönendes Abschlussdesert kredenzt werden sollte. Wir kannten diese lokale Spezialitaet nicht und bıssen herzhaft und frohgemut in die an Halva erinnerende Süssspeise. Würg. Kau. Würgwürg. Kaukau… Hm, was war denn das?? Nachdem wir den ersten Bissen noch halbwegs würdevoll hinunterbekommen hatten, bot uns Sheikh Effendi noch mehr an: Es sei noch etwas da, wer hat noch nicht, wer will nochmal?! Alle lehnten dankbar ab - es war “Ox-Food”, der (fast) ungeniessbare Bodensatz aus den Sesammus-Faessern. Und Sheikh Effendi hatte seinen Spass mit uns, er amüsierte sich köstlich über uns!

Siebter Tag - Rosen aus Sheikh Effendis Garten

Sheikh Effendis Garten in Lefke erstrahlt zur Zeit in herrlicher Blütenpracht, hier einige der schönsten Rosen.

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Weitere Rosen …
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Sechster Tag - Sohbet

Sheikh Effendi hält zur Zeit nur an Sonntagen eine Sohbet - nach dem Mittagsgebet, zu dem auch viele Gäste kommen. Diesmal ging es um ein Prophetenwort, dass man nie aufhören sollte zu lernen. Sheikh Effendi stellte als erstes und wichtiges Lernziel heraus, dass man sich selbst kennen sollte. Das Wissen um das Wesen und die Schöpfung der eigenen Person - physisch und geistig. Das gesamte Wissen aller Wissenschaftler würde noch nicht mal ausreichen, auch nur einen Moskito zu verstehen - um wieviel weniger dann einen Menschen! Die komplette Lecture ist demnächst hier zu finden - wie alle Lectures als Podcast.

Deutsche Schule

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Von kaum jemand beachtet hat sich seit einem 3/4 Jahr eine kleine deutschsprachige Schule in Lefke etabliert. Unter der vorbildlichen und ehrenamtlichen Anleitung von Schwester Hamida lernen hier fuenf Kinder Deutsch, Mathematik, Englisch, Sachkunde und Religion. Sport wird von Habiba unterrichtet, Sticken von Hajji Rukiya, der Tochter von Sheikh Effendi, und schliesslich Zeichnen bei Elef, der Tochter von Selma aus Berlin.

Fuenfter Tag

Zwischen Asr- und Isha-Gebet (beide von Sheikh Effendi geleitet) hatte ich etwas Zeit und beschloss mir mal zur Abwechslung einen Döner im Dorf zu holen. Ich kann nur jedem davon abraten! Nicht nur, dass mir beim Warten eine türkisches-Fernsehen-Gehirnwaesche verpasst und ein total überteuerter Preis berechnet wurde, beim anschliessenden Verspeisen kam absoluter Trübsinn auf: Ich vermisste die Brüder! Deren traute Anwesenheit war mir (wie das gemeinsame Gebet) in den wenigen Tagen schon dermassen in Fleisch und Blut übergegangen, dass ich mir kaum vorstellen kann, in Deutschland wieder alles alleine machen zu müssen…

Vierter Tag - Juma

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Gestern Abend durften wir an einem leisen und innigen Dhikr teilnehmen, danach brachte eine Hadra alle ins Schwitzen. Ziemlich aufgedreht fuhren wir nach Hause und konnten erst nach einiger Zeit schlafen gehen.

Heute war ein ruhiger Tag, alles bereitete sich auf das Juma vor. Die letzten Telefonbuchdosen wurden in die Wand geschraubt, die letzten Baeume umgepflanzt, dann ging es um ein Uhr los. Es war ein schoenes Erlebnis die Brueder alle in ihren Sonntagskleidern und -Turbanen zu sehen, manche kommen ja die ganze Woche nicht aus ihren Arbeitsklamotten raus. Sheikh Effendi bestieg die neue, 4m hohe Minbar in seiner Moschee, und hielt den ersten Teil der Hudba auf Tuerkisch. Auf Englisch erinnerte er uns an die vielen, vielen Menschen, die nur im Feuer leben, da sie ihren Egos folgen und trotzdem nie das bekommen, was sie haben wollen. Lediglich die kleine Gruppe der Gottesfuerchtigen, die staendig im Gedenken an ihren Herrn leben, ist geschuetzt. Fragt euren Herrn danach, was Ihr tun müsst, damit Er mit euch glücklich ist.

Im Anschluss setzte sich Sheikh Effendi in seinen Sessel und wir durften ihm Respekt erweisen. Als alle schon dachten, dass es das nun gewesen waere, forderte er uns zu einer weiteren Hadra auf. In Nullkommanix waren die Trommeln gestimmt, die Somalis huben an zu singen, ein Kreis wurde gebildet und los ging es! Diesmal durfte uns Sheikh Hassan anfeuern und die Stimmung kochte: Es machte mal wieder super viel Spass…