Archiv der Kategorie Lefke Live

Dritter Tag

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Gestern war endlich Hadra, nach dem Nachgebet sprang Memmo, der Enkel von Sheikh Effendi in die Mitte und skandierte: Aufstehen, Aufstehen! Es bildete sich ein grosser Kreis aus 40 oder 50 Brüdern, sie hakten sich an den Haenden unter und wippten vor und zurück zu den Gesaengen unseres zentralasiatischen Hodschas Abdur Rahman. Nachzügler bildeten einen zweiten und dritten Kreis. Einzelne Brüder wurden von Sheikh Effendi ermuntert, als Anfeuerer in den innersten Kreis zu gehen und machten ihre Sache hervorragend. In kurzer Zeit wurden unsere steifen Knochen durchwaermt und angeheizt und die Stimmung stieg. Nach einiger Zeit schritt der Sheikh selber, gehalten von zwei Brüdern in die Mitte und dirigierte die Truppe. Er strahlte vor Vergnügen und die Begeisterung kannte kein Ende. Als er nach einigen Minuten wieder in die Mitte kommt, bildet sich schnell ein enger, verrückt-drehender Menschenkreisel um ihn, mir wird Angst und Bange.

Nach dem heutigen Mittagsgebet wiederholen die Somalies (hier tut sich besonders ein aelterer Blinder hervor) ihre Gesaenge von gestern und Sheikh Effendi antwortet mit einem lieblichen Gesang “für Türken, Araber und Perser”. Wir alle sind ganz erstarrt und gebannt von der zerbrechlichen Schönheit seiner Stimme.

Sheikh Hassan aus Deutschland ist gerade eingetroffen und ich bin für einen Moment ratlos, welcher der beiden Sonnen ich mich denn nun zuwenden soll.

Zweiter Tag

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Es ist gar nicht so einfach, hier im türkischen Teil ein Internetcafe zu finden, das sowohl freie Plaetze hat als auch eıine halbwegs vernünftige Internetverbindung aufweist. Die Plaetze sind entweder von jungen Maennern belegt, die mit Headphone und Webcam herumchatten oder von Halbwüchsigen, die Autorennen oder Egoshooter spielen. Wenn man dann einen Platz bekommt, stürzt die Verbindung nach spaetestens 5 Minuten ab. Heute habe ich also Glück!

Montag war keine Hadra und auch gestern nicht. Sheikh Effendi war auch gar nicht beim Nachtgebet anwesend. Unsere Hoffnungen ruhen also auf dem morgigen Donnerstag - Dikhr und Hadra. Dafür haben wir Hajji Annes Grab besucht, ein englischer Bruder (siehe Bild) haelt dort zur Zeit Tag und Nacht Wache und pflegt die Anlage, giesst die Blumen, etc. Allah möge ihn dafür belohnen. Es ist ein sehr segensreicher und friedlicher Platz, der alte Friedhof liegt direkt am Ortseingang von Lefke.

Apropos “Moon”: Beim Frühstück gab es eine dementsprechende Unterweisung einer befreundeten Schwester aus Lefke, die die Dinge wieder aufs Wunderbarste zurechtrückte…

Erster Tag

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Gestern gab es leider keine Hadra, dıe Brüder hatten ganz begeistert davon erzaehlt. Stattdessen galt es, eine Waschmaschine zu reparieren und den Moscheeneubau zu bewundern: Dıe alte Moschee links neben Sheikh Effendis Haus, dıe bestimmt schon 10-15 Jahre alt ist, hat ein zweites Stockwerk bekommen und eine schöne Holzvertaefelung im Innenraum. Die Maenner können nun unten und oben (wo die Frauen normalerweıse beten und die Maenner unter ihnen beobachten) schlafen. Trotzdem war es Ostern wohl so voll, dass welche draussen auf der Strasse geschlafen haben - wie mir glaubhaft versichert wurde.

Auf einem Spaziergang durchs Dorf konnten wir Restaurierungsarbeiten an der alten Dorfmauer beobachten und die Landschaft geniessen - überall schwebte ein Hauch von Orangenduft durch die Luft und wenn man Glück hatte auch Jasmin.

Heute stellte ich mich nach dem Mittagsgebet vor Sheikh Effendi, begrüsste ihn und überbrachte ihm die Grüsse der deutschen Brüder. Er freute sich und fragte mich, wo ich denn wohl herkommen würde: “Coming from moon?” Oops, jetzt habe ich was zu knacken für die restliche Woche…

Ankunft

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Die Ankunft auf Zypern ist ımmer eın bisschen wie nach Hause zu kommen. Alleine schon die Orte, durch die man kommt: Zümrütkoy, Aydinkoy, … Dann biegt man auf das Meer zu, strahlend blau liegt es vor einem. Die alten Stahlrohrgerüste stehen noch. In Gemikonagi geht es links hoch nach Lefke. Immer scheint noch eine Kurve dazuzukommen, bis man nach Lefke reinfaehrt. Meine Ungeduld waechst. Jetzt zieht es einen zum Haus von Sheikh Effendi, zur Moschee. Und tatsaechlich: Ich komme gerade pünktlich zum Mittagsgebet - al-hamdulillah.

Sheikh Effendi ıst nicht zu sehen. Ist er überhaupt da? Die angespannte, seelenvolle Stille scheint darauf hinzudeuten. Und da sitzt er in seinem Stuhl, direkt vor dem Fenster. Ich schaffe es noch ihm beim Hinausgehen dıe Hand zu küssen, aber er scheint mich nicht zu erkennen - das kommt spaeter, wıe ich mittlerweile weiss.

Es herscht eıne ganz wunderbare Stimmung, ich begrüsse die mir bekannten Gesichter rechts und links - alle sind so relaxt und gelöst und strahlen um die Wette. Oder bin ich das?